Fahrwerks-Tuning

Stern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktiv
 

Tiefer und Breiter beim Corrado

Eine noch sportlichere Optik ist meistens das Hauptargument für das sogenannte Fahrwerkstuning. Ein Fahrwerk besteht aus sehr vielen auf einander abgestimmten Einzelkomponenten. Die meisten davon können normalerweise nicht verändert werden oder es wäre unsinning bzw. viel zu aufwändig. Wir beschränken uns hier auf die Betrachtung der "Tieferlegung" mittels Sportfedern und angepassten Sportdämpfern oder die Verwendung von Komplettfahrwerken.

Vorsicht:

Nachträgliche Umbauten bewirken leider oft das Gegenteil von dem was man sich erwartet. So haben schon einige Fahrwerksänderungen das Fahrverhalten deutlich verschlechtert. Besonders übertriebene Tieferlegung und extreme Reifen- und Felgenbreiten verbessern eventuell und je nach Betrachtungsweise nur die Optik. Der Fahrkomfort bleibt dabei oft unberücksichtigt.

Manche haben immer noch die irrige Ansicht, dass nur ein hartes Fahrwerk auch ein sportlich zu fahrendes Fahrwerk sei.

Erfahrungen von vielen Corradofahrern bestätigen, dass eine Tieferlegung (am besten mit Komplettfahrwerk von max. 40mm und eine Reifen/Räder-Kombination von 215/45 oder 215/40 auf 7 oder 7,5 Zoll Rädern eine leichte Verbesserung des Fahrverhaltens bewirken kann. Einige, die darüber hinaus (noch tiefer und breiter) geändert hatten, haben teilweise wieder zurück gerüstet.

Den VW-Technikern ist mit der Serienabstimmung ein guter Kompromiss zwischen Fahrverhalten, Komfort und Alltagstauglichkeit gelungen.

Kompromiss

Ein guter Kompromiss hinsichtlich Sicherheit, Alltagstauglichkeit und sportlich straffer Abstimmung scheint das Bilstein-Fahrwerk B12 BTK zu sein. Die angegebene Tieferlegung im Bereich ca. 25-30 mm und eine um ca. 15% straffere Abstimmung im Vergleich zum Serienfahrwerk bedeutet eine gute, problemlose Kombination aus sportlichem Fahrverhalten, Alltagstauglichkeit und Optik.
Für dieses Fahrwerk habe ich mich auch entschieden. Die Höhenmessung beim CCG-Jahrestreffen 2003 ergab mit neuen Reifen (8mm Profil) 205/50 ZR 15 eine Gesamtfahrzeughöhe von 1277 mm. Dies ist aber leider, wenn die Messung stimmt, tiefer als vom Hersteller angegeben.
Nachtrag: Leider wird diese Fahrwerk vom Hersteller nicht mehr angeboten (Stand 10/2007)

Wie tief ?

Eine theoretische Berechnung von Tieferlegungen in Abhängigkeit der Räder gibt es hier: Tiefer/Breiter 
Tieferlegungen im Bereich bis zu 60-100 mm (oft Keilform) dienen überwiegend der Optik . Die negativen Veränderungen der Achsgeometrie können auch nicht durch den Vorteil eines tieferen Schwerpunktes ausgeglichen werden. Fahrkomfort und die Alltagstauglichkeit sind stark eingeschränkt und die Fahrsicherheit ist fast immer stark negativ verändert und damit fährt man, auch mit TÜV-Abnahme, mit einem erhöhten Sicherheitsrisiko.
Übrigens zum Thema TÜV-Abnahme. Um sicherzugehen, dass es keine Probleme mit der neuen Tieferlegung gibt, kann man vorher testen ob der Corrado mittig ein Hindernis (Holzschwelle, Styropor o.ö) mit 11 cm Höhe und 80 cm Breite berührungslos überfahren kann.
Siehe auch Praxiswerte Fahrwerke
 

Belastung

Ein weiteres Problem, dass mit Fahrwerksveränderungen auftreten kann, ist das vorzeitige "altern" des Corrados durch die stärkere Belastung der Fahrwerkskomponenten und der Karosserie. Im Gebrauchtwagenreport 2001 der AutoBild fällt die Häufung von Fahrwerksproblemen bei älteren Corrados auf.

Nicht die Optik ist entscheidend für ein gutes Fahrverhalten !

Bei den Corrado-Modellen gab es nie breitere Räder als 6,5 Zoll ab Werk. Ich persönlich habe jedenfalls Bedenken, bei Rädern größer 7,5 Zoll. Es wird dabei ja nicht nur die Achs- und Lenkgeometrie verändert, sondern das Gewicht der ungefederten Massen steigt auch an. Von den sonstigen Problemen wie Rostschutz, Geradeauslauf, Spurrillenempfindlichkeit oder Komforteinbußen ganz zu schweigen.

Federn und Dämpfer oder Schraubfahrwerk ?

Wer am Fahrwerk bastelt sollte einige Kenntnisse um die Zusammenhänge haben um nicht eine Verschlimmbesserung zu bewirken. Nach dem Motto, ein paar Federn und einen Satz Sportdämpfer und schon erhalte ich ein perfekt abgestimmtes Fahrzeug, funktioniert nur äußerst selten, da diese Corrado Serienfahrwerk ist fast zu tiefKombinationen von keinem Hersteller abgestimmt sind.
Auch von dem Austausch der Serienfedern gegen Sportfedern rate ich ab, wenn nicht gleichzeitig, die zu den Federn passenden Sportdämpfer mit getauscht werden.

Natürlich schwärmen die meisten von ihren Fahrwerksveränderungen, aber ich habe auf den Corrado-Treffen auch genügend Corradofahrer getroffen, die zugaben, dass sie viel Lehrgeld gezahlt haben. Am sichersten ist man mit einem (leider nicht billigem) Komplettfahrwerk, da der Hersteller zumindest eine optimale Abstimmung zwischen Feder und Dämpfer gewählt hat.
Glaubt mir - ein Billigfahrwerk erfüllt nicht die Anforderungen an die Sicherheit und ist ziemlich sicher schlechter als das Serienfahrwerk !
Früher oder später verkaufen es viele wieder und kaufen dann doch was vernünftiges.
Billig kann oft sehr teuer werden !

Schraubfahrwerke: Sie kosten einiges mehr wie die nicht einstellbaren Fahrwerke bieten dafür aber den Vorteil, dass Tieferlegung, Härte usw. einstellbar sind. Doch mal ehrlich - wer verfügt schon über die Erfahrung um solch ein Fahrwerk aus Sicherheitsaspekten optimal einstellen zu können. Schrauben nach der Methode "Versuch und Irrtum" ist eigentlich keine seriöse Vorgehensweise und die Ergebnisse sind eher zufällig.
Deshalb ist die klassische Methode mit einem guten, vom Hersteller getesteten und optimal abgestimmten Fahrwerk eine Überlegung wert.
Bei gut abgestimmten Fahrwerken kann, auf der Rennstrecke, gegenüber dem Serienfahrwerk, eine um etwa 5% höher Kurvengeschwindigkeit erzielt werden.

Man sollte wissen was Fahrwerksänderungen für Auswirkungen haben können  !

Zusammenhänge

Veränderungen am serienmäßigen Fahrwerk des Corrados sollten gezielt und mit den entsprechenden Kenntnissen durchgeführt werden.
Beachtet die grundsätzlichen Zusammenhänge:

  • Zugstufe der Stoßdämpfer
  • Härte der Federn
  • Härte der Stabilisatoren
  • Einfederweg
  • Fahrzeugeinstellung Spur, Sturz- Schräglaufwinkel
  • Einfederweg der Achsen
  • Einstellung des lastabhängigen Bremskraftreglers
  • Luftdruckunterschiede zwischen den Reifen der Vorder- und Hinterachse

mehr Untersteuern erreicht man durch:

  • härteren Stabi vorne
  • weicheren Stabi hinten
  • härtere Federn vorne
  • weichere Federn hinten

mehr Übersteuern erreicht man durch:

  • härteren Stabi hinten
  • weicheren Stabi vorne
  • weichere Federn vorne
  • härtere Federn hinten
Fehlerquellen:
  • Luftdruck zu niedrig
  • Hinterachsfeder oder Stabi zu hart
  • Hinterachseinfederweg zu gering
  • Zugstufe der Hinterachsstossdämpfer zu hart

Härtere Stabi's haben den Vorteil, dass sie bei einseitigem Einfedern die Rollneigung der Karosserie vermindern. Dies geht jedoch zu Lasten des Federungskomfort bei parallelem Einfedern.

Distanzscheiben:

Mit Distanzscheiben (Spurplatten) verschlechtert sich nicht nur Wendekreis und der Geradeauslauf. Wenn z.B. die hintere Spurweite des Corrados z.B. durch Verwendung von Distanzscheiben nur auf der Hinterachse, gleich oder gar größer wie die Spurweite auf der Vorderachse wird, kann es gefährlich werden !

Hier ein Auszug aus der AutoBild zum Thema Distanzscheiben:
Herr Fretschner von BMW:
" Distanzscheiben beeinträchtigen die Achskinematik. Der Lenkrollradius verändert sich und der Hebelarm für Störkräfte wird größer. Entsprechende Nachteile im Fahrverhalten und Verschleiß müssen in Kauf genommen werden."

Tipp

Macht doch mal ein ADAC-Sicherheitstraining (Kompaktkurs, Intensivkurs oder Perfektionstraining ), z.B. auf dem modernen Platz in Augsburg. Dort erfahrt und erlebt ihr mehr zur Fahrdynamik und bekommt auch einen Eindruck, wie gut der Corrado im Vergleich zu andern Autos ist. Fragt nach Zuschüssen bei euren Corrado-Clubs. Ich weiß z.B., dass der CCG Zuschüsse gegeben hat. Versicherungen bieten teilweise Reduzierungen der Versicherungsbeiträge bei Vorlage der Urkunde an. Fragen kostet nichts. 

Wichtiger Hinweis

Achtung: Durch eine Tieferlegung der Karosserie kann es zu einem gefährlichen Überbremsen der Hinterräder bei Vollbremsungen kommen!!!
Der lastabhängige Bremsdruckregler (Bremsregelventil, Bremskraftregler) ist auf der Fahrerseite hinten an der Unterseite der Karosserie angeschraubt und mittels Feder mit der Hinterachse verbunden. Einstellungen sollten unbedingt nur von Fachleuten überprüft und ggf. korrigiert werden.