9. ADAC Rallye Trifels Historic

Automobile Schätze und schöne Landschaften

17. bis 18. Juni 2022 in Kaiserslautern, der Westpfalz, dem Pfälzer Wald und der Weinstraße

Das Rallyeschild Trifels Rallye 2022

Die 380 km lange Anreise von Augsburg nach Kaiserslautern, in ein ehemaliges Gefängnis, jetzt Hotel Alcatraz, am 16.Juni war durch die Vorfreude auf die Rallye mit historischen Fahrzeugen geprägt.

Corrado im Knast - Oldtimerrallye

Wir hatten für unsere Übernachtungen die einzigen Gefängniszellen in Deutschland, die von innen verschlossen werden, ausgewählt. Eine gute Entscheidung. Die Zimmer sind in ihrer ursprünglichen Art, wie den Abmessungen, den Gittern vor den Fenstern und den originalen Zellentüren mit einer Durchreiche erhalten geblieben.
Großes Lob: Ein sehr sauber, ordentlich und freundlich geführtes Hotel mit einem besonderen Flair.

Veranstalter der Rallye war die Sportfahrer Union Kaiserslautern e.V..
Eines vorweg, eine wirklich hervorragende, aufwändige und gut durchgeführte Organisation, dafür jetzt schon mal unseren Dank.

Oldtimerrallye Trifels

Rallye-Tag 1: Westpfalz

Am Freitagmorgen war dann, auf dem zentralen Spitalplatz in Kaiserslautern, für die 130 gemeldeten Teilnehmer, die Dokumenten-Abnahme, die technische Abnahme und die Fahrerbesprechung. Danach hatten wir noch genügend Zeit um die vielen wunderschönen Fahrzeuge zu bestaunen und Benzingespräche zu führen.
Ab 15:30 Uhr wurden die Fahrzeuge in zwei Gruppen (Sportfahrer-Wertung und Touristik-Wertung) im Minutentakt zur ersten Etappe gestartet.

Als wir mit dem Corrado VR6, Startnummer 121, in die Startposition fuhren, wurden über Lautsprecher technische Daten des Corrados und die Namen von Beifahrer und Fahrer durchgegeben.
CheerleaderMit der Startfreigabe fuhren wir zunächst durch ein Spalier einer jungen Cheerleadergruppe mit wedelnden silberfarbenen metallic Poms. Da war es noch angebracht "genussvoll-langsam" zu fahren. Dann ging es aus der Stadt heraus auf die Straßen der Westpfalz. Straßen und Sträßchen, auf denen ich noch nie vorher gefahren war.

Mein 80-jähriger Copilot hatte die nicht einfache Aufgabe, die 161 Chinesenzeichen aus dem Bordbuch der ersten 110 km langen Etappe für mich richtig zu übersetzen und uns zu den Sonderaufgaben sowie Zeit-und Streckenkontrollen zu navigieren.

Beispiel Boardbuch mit Chinesenzeichen

Nicht zu unrecht sagt man, dass sich die Intelligenz bei einer Rallye auf dem Beifahrersitz befindet. Ich war dagegen in der glücklichen Lage nur fahren zu dürfen und das hat Spaß gemacht.

Es war aber nicht ganz trivial und ohne uns zu verfahren haben wir‘s aber auch nicht geschafft - trotzdem fanden wir immer wieder die richtige Strecke und alle Sonderaufgaben sowie Zeit-und Streckenkontrollen wurden absolviert. Bei einer Sonderprüfung (eine bestimmte Strecke in einer vorgegebenen Zeit fahren) war ich leider etwas zu schnell und wir erhielten viele Strafpunkte.

Besonders nett fanden wir die Leute in den kleinen Dörfern, die sich bei Bier und Wein am Straßenrand versammelt hatten und die Oldtimer freudig begrüßten. "Corrado VR6 der hat Power" rief einer laut. Mein Beifahrer "Was hat der gerufen? Corrado, Du dummer Bauer!" :-)

Auch durch unsere hohe Startnummer und Unfälle auf der Strecke kamen wir, als eines der letzten Teams, am Endpunkt der ersten Etappe etwas erschöpft an. Nach dem Abendessen, dass durch die Sportfahrer Union Kaiserslauternfinanziert wurde, fuhren wir wieder ins Gefängnis und ließen bei gut gekühltem Bier die Fahrt, bei einer lustigen Fehleranalyse, Revue passieren. Danach waren wir sicher, dass die nächsten Etappen noch erfolgreicher ablaufen würden.

Rallye-Tag 2. Pfälzer Wald und Pfälzer Weinstraße

Diesmal ging es schon morgens los, dafür waren aber auch die beiden Etappen Nr.2 mit 99 km und Nr. 3 mit 108 km an einem Tag zu bewältigen. Über 200 weitere Chinesenzeichen standen im Bordbuch!
Durch die Erfahrungen aus der ersten Etappe waren wir jetzt aber deutlich zuversichtlicher.

 Oldtimerrallye Trifels rund um Kaiserslautern

Es war noch heißer als am Vortag. Der Bordcomputer zeigte bis zu 35 Grad im Schatten an. Das wurde eine gerechte Strafe für mich, weil ich immer der Meinung war, dass weder ein Tempomat noch eine Klimaanlage in einen Sportwagen gehören. Es habe es zumindest an diesen vier Tagen (incl. An- und Rückreise) bereut.

Also wurde die Tour überwiegend mit offenen Fenstern und schräg gestelltem Schiebedach gefahren. Nachteil, die Kommandos des Copiloten wurden bei 100km/h ++ nicht immer exakt verstanden. In Folge, haben wir uns mal um ca. 11 km verfahren, aber Dank genügend Power und dem guten Fahrwerk konnten wir die Zeitverluste wieder aufholen.

Besonders gut gefallen hat mir die kurvenreiche 2. Etappe durch den Pfälzer Wald, auch wenn ich manchmal die Kurvengeschwindigkeit wegen "plötzlicher Magenprobleme" des Beifahrers kurzzeitig etwas gedrosselt habe. Ganz klar, ich hätte nicht so gerne auf dem Beifahrersitz hin-und hergeschüttelt werden wollen und dabei auch noch aus dem Bordbuch die richtigen Anweisungen herausfinden müssen.

Rallye Trifels Tourabschnitt Pfälzer WaldFoto: Sportfotograf Berrang: www.berrang-foto.de

Während ich "ungerechterweise" Spaß beim Fahren mit dem Corrado hatte, musste mein Copilot richtig arbeiten.


Bei einer Sonderprüfung habe ich mich leider extrem verschätzt. Einen Abstand von 75 cm in einem Zug zur Heckstoßstange herzustellen gelang nur suboptimal: 150cm!!) Ich kann's aber immer noch nicht glauben ;-) Das Nicken des Wackeldackels habe ich wohl falsch interpretiert. Er meinte wohl "Ich hab's gewusst, er kann's nicht" während ich meinte "noch weiter, noch weiter". 

Zeitkontrolle bei der Rallye

Immer wenn wir nach den Zeitkontrollen die vor uns gestartete Autos einholen konnten, war es dann bis zum nächsten Stopp etwas entspannter -  in der Hoffnung, dass die Vorausfahrenden die Anweisungen aus dem Bordbuch richtig interpretieren würden und nicht auf dem Weg zur nächsten Tankstelle waren.

Nach der Mittagspause starteten wir in der vorgegebenen Reihenfolge wieder mit einminütigen Abstand in die 3. Etappe. Diese führte durch die schöne Pfälzer-Landschaft und entlang der Pfälzer Weinstraße durch einige interessante Weinorte. Es war doch anstrengender als gedacht. Als wir in Kaiserslautern zur  Fahrzeugpräsentation ankamen, waren wir froh, dass wir auch die Tour im wahrsten Sinne des Wortes, in trockenen Tüchern hatten – was aber nicht ganz stimmt, denn wir waren durchgeschwitzt und freuten uns auf eine kalte Dusche.

VW CorradoDa das gemeinsame Abendessen und die Siegerehrung in unserem „Knasthotel“ stattfand, war es für uns natürlich optimal. Geduscht, frische Wäsche, neue Polohemden und dann ein Kaltgetränk. Herrlich!
Oldtimerfreunde, die nicht im Hotel wohnten, wurden mit einem Shuttelbus hingefahren.
Die ca. 200 hungrigen TeilnehmerInnen, die im Hotelsaal versammelt waren, wurden gut verköstigt. Etwas Coronaangst hatte ich dabei schon, diese war aber schnell verdrängt. Es gab noch viele interessante Gespräche über die Tour, die Wertungs- und Sonderprüfungen und über Oldtimer, Youngtimer und Motoren. Kurz nach Mitternacht war dann "Frohes Flohbeisen" angesagt - Nein, nein, das Hotel war wie oben beschrieben, extrem sauber. Ich habe in der Zelle sehr gut geschlafen und keine Bissverletztungen bekommen.

Die Rückfahrt nach Augsburg mit Pause und Mittagessen im historischen Nördlingen war trotz der hohen Temperaturen von bis zu 37 Grad Celsius entspannt.
Wir hatten auf allen Etappen und Strecken viel Freude mit dem Corrado, der seine besten Eigenschaften zeigte: begeisternder Motor und hervorragendes Fahrwerk. Über 1100 km in nur 4 Tagen, das gab es für den VR6 lange nicht mehr.

 

Ein großes Dankeschön geht an das Team der Sportfahrer Union Kaiserslautern e.V. im ADAC - ohne Euch wäre diese klasse Tour nicht möglich gewesen.
Ihr habt Großes geleistet und es war eine Freude dabei zu sein.

Bedanken möchte ich mich auch ganz herzlich bei meinem Beifahrer Klaus R..ohne ihn hätte ich diese vielen schönen Erlebnisse nicht gehabt. Meinen ganzen Respekt für die zwei Tage hochkonzentrierter Navigation und das viele Lachen – es hat mir Spaß gemacht.

DANKE

Oldtimerrallye 2022 06 Klaus Schwarzstein

Ach ja, wir wurden in unserer Klasse von 58 gewerteten Fahrzeugen erst 19. schlussendlich aber nach Protesten dann 23.
Wir sind damit sehr zufrieden, es stand ja der Spaß im Vordergrund und es gibt für uns noch genug Steigerungspotential 😉

 

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